St. Oswald Kapelle

 

Am Nordausgang von Detzeln steht auf einem Hügel an der Steina die alte Klosenkapelle. Daneben befindet sich der Klosenhof. Der Name “Klosen“ leitet sich ab von Klause = Klosterzelle..

In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts gründete der Adelige Marcward auf seiner kleinen Burganlage in Tezzillnheim, dem heutigen Detzeln, eine cella, ein kleines Kloster. Der Gründer übergab das Kloster einer Gemeinschaft von Priestern, die nach der Regel des hl. Augustinus ein gemeinsames Leben führten. Zum Unterhalt vermachte er den Augustiner-Chorherren aus seinem Besitz im Alb- und Klettgau Güter und Einkünfte. König Konrad III. bestätigte am 7. Januar 1152 auf dem Hoftag in Konstanz die Klostergründung mit all ihren Gütern und Rechten und nahm sie unter seinen Schutz. Den Edelfreien Konrad von Krenkingen und seinen Nachkommen, treue Anhänger des Zähringischen Herzoghauses, bestellte er zu Vögten. Altkrenkingen, der Stammsitz des Konrad von Krenkingen, lag nur 1,5 km von der cella in Detzeln entfernt.

Schon um das Jahr 1200 wurde das Kloster nach Riedern am Wald verlegt. Die Augustiner Chorherren fanden dort auf den Höhen des Schwarzwaldes eine schon im 11. Jahrhundert vorhandene Pfarrei vor. Der dortige große Pfarrbezirk bot ihnen die Möglichkeit, klösterliches Leben und seelsorgliche Tätigkeit miteinander zu verbinden.

1423 wird an Stelle des ehemaligen Klosters eine „Kapelle und ein Bruder-Häusle“, eine Einsiedelei, erwähnt. Im Jahre 1582 richteten die Bewohner von Detzeln die stark verfallene Kapelle auf eigene Kosten wieder her. Die Inschrift über der Eingangstüre der Kapelle weist auf dieses Jahr hin. Im Jahr darauf wurde sie zu Ehren des hl. Oswald eingeweiht und führt seither den Namen „St. Oswald-Kapelle“. Oswald war von adeliger Herkunft und wuchs in einem vom hl. Columban im Jahre 642 gegründeten Kloster in Schottland auf. Als späterer König war er selbst der beste Missionar seines Landes und war ob seiner Wohltätigkeit gerühmt. Im Kampf gegen den heidnischen König Penda fand er den Tod. Er wird als Märtyrer des christlichen Glaubens verehrt. Sein Festtag ist der 5. August.

Die Unterhaltspflicht für die Kapelle obliegt seit Beginn des 19. Jahrhunderts der Pfarrei Tiengen. Ein Stiftungsrat in Detzeln verwaltete den Kapellenfond. Anfang des 19. Jahrhunderts wird vermerkt, dass die Kapelle „in primitivem Zustand“ sei. Die Bewohner und die politische Gemeinde von Detzeln unternahmen immer wieder Anstrengungen, um ihre Kapelle zu erneuern. Doch die Oswald-Kapelle wurde in den folgenden Jahrzehnten für die anwachsende Einwohnerzahl zu klein. Alle Bemühungen galten nun deshalb dem Bau einer neuen Kirche.

Nachdem 1956 die neue Kirche „Maria Königin“ gebaut und in den folgenden Jahren ausgestattet worden war, richtete sich der Blick wieder vermehrt auf die inzwischen in einen schlechten Zustand geratene St. Oswald-Kapelle. Den umfassenden Renovierungsarbeiten in den Jahren 1975/76 ist es zu verdanken, dass man heute den zierlichen Renaissance-Altar aus dem 16. Jahrhundert mit den Statuen der hl. Jacobus und Johannes Ev. bewundern kann. Die Altarblätter zeigen den hl. Oswald und die Anbetung der Hl. Drei Könige. Renoviert wurde auch die Kreuzigungsgruppe aus der Zeit von 1581. Die übertünchten Fresken im Innern der Kapelle wurden freigelegt und konserviert. Soweit erkennbar zeigen sie die Passion Jesu. Das Freskogemälde an der äußeren Südwand, den hl. Christophorus darstellend, konnte im Jahre 2008 dank eines „ Kapellenfestes“ erneut renoviert werden.

Mit der Oswaldkapelle besitzt Detzeln ein geschichtsreiches Kleinod.

 Manfred Emmerich

 

  

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